texte

o. T.

Dies blaue Fließen
dies Aderngeflecht
(so Honig : Stall
so Paradies)
ich solle Texte die
sagst Du
mit uns‘rem Jetzt…
als wäre dieses Fließen nicht
darauf die Hand
Du sagst
welch abgeschmacktes Bild
(und lächelst doch).

(Danzig, März / April 2017)

 

o. T.

Erinnere Dich
an so weiße Schuhe
an so Schneegestöber
an so Eis
so kalt
ein Ich
bin glücklich
mit Kinderhand
ein Atem steigt
ein Lachen

(Danzig, Juni 2016)

 

"Nun, da ich sprechen kann, was soll ich sagen?"

Ich  wollte,  sage  ich,  noch  einen  Text  zum  Thema  Lebenszeichen  schreiben und sehe Dich an und Du nickst / stumm / wollte dazu über  Herzogs  Film  „Lebenszeichen“  schreiben,  schwarz­weißes Flimmern,  eine  Straße  aus  /  Staub  /  wirbelt  auf  und  dann  /  eine  zärtliche Geste, Wasser auf Lippen und Wasser auf Hals des/der Verwundet­Gestrandeten und Schnitt...

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9 Colores

                                                                      … el color “es”.
                                                                         (Yves Klein)

Blanco
El blanco, dice Malévich, es la verdadera y auténtica idea del infinito, gritas y echas a correr y tropezando te sigo (a través del bosque de tus recuerdos infantiles) hasta salir al lago (un Soy-felis escrito por un niño en la nieve) o al camino estrecho y despejado que sube hacia la iglesia del pueblo ante la que me esperas riendo y entramos, tres o cuatro velas (blancas) titilan inquietas y mis dedos rozan curiosos el agua bendita que se ha congelado / como antaño / y después salimos al cementerio, y el aliento helado cae cortante delante de mí en la nieve y una lágrima (resbalan gotas heladas / por mis mejillas) y me abrazas y tu cabeza descansa en mi hombro, durante un segundo / un minuto / una vida entera, antes de volver a separarte. ¿Sabes qué?, dices, en primavera florecen lilas blancas y violetas en el jardín de mis abuelos y florecen rosas de color blanco y rosa pálido, como barquitos fúnebres, flotan flores del magnolio (y lirios blancos hacia la tumba, pienso) y sigue llegando un viento fresco del monte Mittagskogel y el aire evoca al mismo tiempo la esencia del invierno y de la primavera y me sonríes y echas a correr, campo nevado abajo, el infinito ante nosotros, dice Malévich, y yo detrás de ti, nos alejamos flotando.

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9 Farben

… die Farbe „ist“.
(Yves Klein)
 

Weiß
Weiß, sagt Malewitsch, ist die wahre wirkliche Idee von Unendlichkeit rufst du und stürmst voraus und stolpernd folge ich dir (durch deine Kindheitserinnerungswälder) hinaus auf den See (ein Ich-bin-glüglich von Kinderhand in den Schnee geschrieben) oder den schmalen, geräumten Weg hoch zur Dorfkirche vor der du lachend auf mich wartest und wir treten ein, unruhig flackern drei, vier Kerzen (weiß) und neugierig berühren meine Finger das gefrorene Weihwasser / wie damals / und dann hinaus auf den Friedhof, gefrorener Atem fällt klirrend vor mir in den Schnee und eine Träne (gefrorne Tropfen fallen / von meinen Wangen ab) und du umarmst mich oder legst deinen Kopf an meine Schulter, für eine Sekunde / eine Minute / ein Leben lang, bevor du dich wieder löst. Weißt du, sagst du, im Frühjahr blüht weißer und violetter Flieder im Garten meiner Großeltern und blühen weiße Rosen und rosaweiß, wie Totenschiffchen, schweben Blüten vom Magnolienbaum (und weiße Lilien ins Grab, denke ich) und vom Mittagskogel, kommt immer noch ein kühler Wind, und die Luft riecht gleichzeitig nach Winter und Frühling und du lächelst mich an und läufst los, das Schneefeld hinunter, die Unendlichkeit liegt vor uns, sagt Malewitsch, und ich dir hinterher, schweben wir hinaus.

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11 (+1) Freunde sollt ihr sein. Zur Fußball-EM 2012

                                                         Miroslav Klose
                                              Toni Kroos            Mario Götze            Thomas Müller
                                                           Mats Hummels        Sebastian Schweinsteiger
                                 Marcel Schmelzer    Holger Badstuber    Per Mertesacker    Philipp Lahm
                                                                         Manuel Neuer
                                                                          [Tim Wiese]


Foul oder Schwalbe 1
Das Schwein!, steiger ich mich hinein als der Spieler abhebt, als der orange oder weiß oder rot gekleidete Spieler abhebt, das rechte Bein abgewinkelt und nach vorne geschoben, das linke Bein fast durchgestreckt und beide Arme nach vorne geworfen und ein Schrei hallt und ein Mensch fällt und prallt auf und ertönt erst ein, dann aber 10000e Pfiffe, ertönt erst ein, dann aber 10000e Pfiffe und Buhrufe und ein Mensch am Boden, mit beiden Händen den Knöchel des rechten Fußes umklammernd, dabei war es doch der linke der getroffen wurde, der getroffen zu worden vorgegeben wurde, und rappelt sich hoch und humpelt vom Platz auf dem bekanntlich die Wahrheit liegt und er lag und der Ball nun auf dem Elfmeterpunkt.

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Alles was der Fall ist

Zeit steht nicht. Und auch kein Fluss. Und eine Sekunde ist wie die andere ist wie die andere ist, und eine für nachher und eine für vorher und eine für mittendrinn. Mittendrinnen in dieser Geschichte steht X. Und mittendrinnen steht Y und stehe ich, und nun auch Sie, aber auch erst am Anfang.

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Wie soll man schreiben über etwas (zu den November-Progromen 1938)

Wie soll man schreiben über etwas, das alles war, weil es alles beinhaltete, was noch kommen sollte und geschehen war und geschehen wird, auch morgen wieder und übermorgen, das aber gleichzeitig so gut wie nichts war, ein minimaler Teil nur von jenem großen Ganzen, das weder groß noch ganz, das zerschlagen zurück ließ die Menschlichkeit, das zersplittert zurück ließ die Welt, das zerbrochen zurück ließ Millionen und Abermillionen, zerbrochen wie in jener Nacht das Glas, wie in jener Nacht das Kristall, wie in jener Nacht hunderte, tausende Menschen.

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gelb-rot-weiß

Der Herrgott hat g’lacht und lachend wir oder verbissen, nein, verbissen nicht, aber konzentriert, die Zähne über die Unterlippe geschoben, die Augen zusammengekniffen, oder warte,den Kopf vielleicht auf den linken Oberarm gelegt, in die linke Hand gestützt und scheinbar nachlässig oder tatsächlich nachlässig, leise plaudernd mit dem Sitznachbarn und dann laut losprustend, strenge Blicke der Lehrerin oder doch nicht strenge, ermahnende vielleicht, aber liebevoll, schön ist sie für die Mädchen und schön für die Buben, aber uralt (oder uralt und uralt und dann 20 Jahre später oder 25 und man selbst). Aber wohin verirre ich mich bloß wieder, wieder zurück in die Kindheits-erinnerungen, Zeichenunterricht oder Sachunterricht oder Werkunterricht, draußen auf jeden Fall fallende Blätter, braun und gelb und rot, und die Kastanienbäume voller Früchte, die wir sammeln, um sie zu den Futterkrippen zu bringen (aber eigentlich um des Sammelns willen, wie die Steine, die wir aus dem See tauchen, die wir aus Bächen fischen oder bunte Blätter oder Tintenpatronenkügelchen). Anfang Oktober ist es und zeichnend und bastelnd wir, flüsternd und lachend, wie er’s Landle hat g’macht, hat sich selber recht g’wundert über gar so viel Pracht.

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Die Heimat, die ich meine (die die meine oder nicht mehr oder doch)

Da denkt man, man kommt heim, und kommt man auch, und alles so vertraut, traue ich mich gar nicht zu sagen, sagen doch alle, daheim ist, wo man sich wohlfühlt, fühle ich aber in mir, mich nicht wohlfühlen zu können, mich erst gar nicht wohlfühlen zu dürfen, in dieser schönen Landschaft – schaffe ich es immer noch nicht, keine Worte und Sätze und Phrasen zu verwenden, die nicht von mir, wandle ich sie aber zumindest ab, aber jetzt aufgepasst: – in dieser schönen Landschaft, in diesem schönen Land, das klein, aber mein, mit seinen Haidern und Dörflern und den großen Kärntneranzugswestentaschen, in die man viel hineinstecken kann, in denen seit Jahren, seit Jahrzehnten Geld verschwindet

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Stadtspaziergang

1
Auf der Fußgängerbrücke über der Drau stehen bleibend blickte ich lange auf den unter mir ruhig vorbeifließenden Fluss bevor ich, den Blick hebend, im Südosten die Türme der Kreuzkirche bemerkte, mich von den Türmen der Kreuzkirche beobachtet fühlte, mich, beobachtet von den Türmen der Kreuzkirche nach Westen drehte, nur, um den Turm der Stadtpfarrkirche zu sehen, von dem vor vielen Jahren ein 13-jähriger Bub gesprungen war, ein 13-jähriger Bub seine Arme zur Seite gestreckt und sich fallen gelassen hatte, seine Arme zum Kreuzzeichen Christi ausgestreckt sich fallen gelassen hatte, ohne dass eine Gruppe von Engeln in aufgefangen und gerettet hätte.

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Leben Sie Gedankenfreiheit!

Denke ich, also bin ich. Denke ich frei, also bin ich frei. Freilich ist das nicht überall so, ist das, obwohl unvorstellbar, täglich ersichtlich, täglich erlebbar, ohne Hoffnung auf Veränderung. Ändere ich, weil ich denke, weil ich bin, weil ich existiere, meine Meinung, ändern sich, nein, ändere ich die Richtung meiner Gedanken (weil mein Kopf rund ist) und somit meine Meinung, meine Überzeugungen, zeige (oder zeige nicht, ganz wie ich will, ganz wie ich darüber denke) ich diese durch Lehre, Ausübung oder Kulthandlungen, handle ich und werde nicht verhandelt, weil ich bin,

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Da steht eine 8 am Ende

Da steht eine 8 am Ende und eine liegende für das Unendliche, Unabänderliche, Unveränderliche, Unverstehbare.

Da steht eine 8 am Ende und darum denken wir daran und eine liegende bedeutet alles aber wir können sie uns nicht vorstellen, können sie nicht denken, denken der liegenden 8 hinterher, denkt sie uns vor, deckt sie uns zu und verzweifelt klammern wir uns an Jubiläen, an Jahreszahlen, an Daten, an Ziffern, an Nummern, an eine 7 oder eine 9 oder

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Fremd alles um mich herum

Fremd alles um mich herum, fremd die Strasse durch die ich gehe obwohl ich sie schon hundertmal, schon tausendmal gegangen bin, obwohl ich schon hundertmal, schon tausendmal aus dem großen, grünen Holztor auf die Strasse getreten bin, unter dem auf mich herabblickenden Gipskopf hindurchgegangen und auf die Strasse getreten bin, die Meiselstrasse in Richtung Johnstrasse gegangen bin um zur U-Bahn zu gehen oder zum Bus oder um weiterzugehen, die Johnstrasse hinauf zur Hütteldorferstrasse zu gehen und diese hinunter, vorbei beim McDonalds, vorbei beim Reisebüro, beim Solarium, beim Pornoladen wo man günstig Filme und

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Das Wort, die Sprache

Non datur tertium sive medium inter duo contradictoria – Zwischen zwei Gegensätzen gibt es nichts Drittes und Mittleres, zwischen zwei vermeintlichen Polen nichts Vereinendes, zwischen Literatur und Jus nichts Gemeinsames.

Doch nur vermeintlich sind es zwei Pole, nur scheinbar Gegensätze, denn es gibt ein Mittleres, ein Vermittelndes, das Übermittelnde, den Mittler, der am Anfang war und auf dem alles Menschliche fußt: Das Wort ward Sprache und

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Und ich bewege mich doch

Und ich bewege mich doch, regungslos dasitzend, die Welt angetrieben vom Rhythmus der Lokomotive, an mir vorbeiziehend die Zeit, die Landschaft, dämmernd, unendlich der Raum der sich spiegelt in den Fensterscheiben, unendlich mein mir fremd gewordenes Gesicht sich spiegelnd in der Fensterscheibe, hinter ihm die Landschaft, über ihm das Innere des Wagons, über ihm mein Sitznachbar, über ihm erahnt die Spiegelung der gegenüberliegenden

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Wenn das erste Wort geschrieben …

1
Wenn das erste Wort geschrieben, der erste Satz vollendet ist, werden die weiteren folgen wie Lemminge einander folgen, sich einander folgend in den Tod stürzen, werden sich meine Worte auf das Papier stürzen, werden sich überschlagend, kreischend auf das Papier stürzen, strampelnd sich mit dem Weiß des Papiers vermischen, mit dem Weiß des Papiers verschmelzen.

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