Da steht eine 8 am Ende

Da steht eine 8 am Ende und eine liegende für das Unendliche, Unabänderliche, Unveränderliche, Unverstehbare.

Da steht eine 8 am Ende und darum denken wir daran und eine liegende bedeutet alles aber wir können sie uns nicht vorstellen, können sie nicht denken, denken der liegenden 8 hinterher, denkt sie uns vor, deckt sie uns zu und verzweifelt klammern wir uns an Jubiläen, an Jahreszahlen, an Daten, an Ziffern, an Nummern, an eine 7 oder eine 9 oder eine 8.

Da steht eine 8 am Ende und die liegende ist uns unvorstellbar, ist uns grenzenlos, ist uns göttlich, ist jenseits der Zeit, ist die Zeit jenseits von uns.

Gewinnt die Zeit Abstand von uns und alle Punkte deren Produkt der Abstände zu zwei Fixpunkten F1 und F2 a² beträgt, wobei a gleich e, also die Hälfte des Abstandes der Fixpunkte zueinander ist, bilden eine Lemniskate und stehen aufgerichtet als 8 am Ende oder liegen, cassinische Sonderkurve, Unendlichkeit bedeutend.

Bedeutet die Lemniskate Unendlichkeit, diese uns aber alles, weil das Nichts, weil das Unendliche für uns nicht ist, weil Unendliches für uns nicht sein kann, weil Unendliches die Wiederholung ausschließt, jede Menschheitsgeschichte aber die Wiederholung von jenen zweien, dreien ist die es gibt.

Gibt es 2, 3 Menschheitsgeschichten, aber Geschichte gibt es nie, Geschichte geschieht nie und nie Großes, man wartet und wartet und wartet aber es kommt und kommt und kommt nichts und dann ist ein Tag vorbei und dann eine Woche und dann ein Jahr und dann ein Leben. Gibt es 2, 3 Menschheitsgeschichten für 7 Milliarden Menschenleben aber Leben geschieht nie, man wartet und wartet und wartet, aber es geschieht und geschieht und geschieht nicht und dann ist ein Jahr vorbei und dann ein Jahrzehnt und dann ein Jahrhundert und dann ein Sein. Jahreszahlen in Stein gemeißelt, an die Wand geschrieben, in den Sand geschrieben, eine 8 steht am Ende und eine liegende für das Unendliche, fürs nicht Änderliche, drei Menschheitsgeschichten gibt es und die wiederholen sich und wiederholen sich und ich wiederhole mich, drehe mich im Kreise, drehe mich zu zwei Kreisen, die miteinander verschmelzen, die eins werden, also 8.

Gibt es 2, 3 Menschheitsgeschichten, aber Geschichte gibt es nie, Geschichten erzählen sich nie, Geschichten erzähle ich nie, erzähle ihnen auch nicht von der Geschichte, nicht von 1918 und nicht von 1938, erwähne nur, scheinbar wie nebenbei, dass Cassin 1968 den Friedensnobelpreis bekam, kommen Sie, dass ist doch ein schöner Zufall, da bekommt einer 1968 den Friedensnobelpreis und heißt Cassin, Cassini ein anderer und der entdeckt eine Kurve deren Produkt der Abstände zu zwei Fixpunkten F1 und F2 a² beträgt und so weiter. Das ist doch ein schöner Zufall, dass einer einen Nobelpreis bekommt und ein anderer eine Kurve entdeckt und der eine heißt Cassin und der andere Cassini und bei dem einen steht eine 8 am Ende und beim anderen liegt eine 8 als das Unendliche und beide kommen nebeneinander im Brockhaus zu stehen und nun in meinem Text und nun in ihrem Gedächtnis.

 

Gedenken wir nun aber der endlichen 8, endlich der 8 meine ich, rücken wir nun die 8 in den Mittelpunkt, Zeitpunkt für Zeitpunkt für Zeitpunkt arbeite ich mich vorwärts, fange an bei 1908, da ist etwas geschehen und 1918 auch und ich glaube auch 28 und 38 und 48, die Liste ließe sich beliebig lange fortsetzen aber nur bis 2008, weiter sind wir noch nicht, aber was noch nicht ist kann ja noch werden, warten wir einfach mal ab und auf Großes aber das geschieht nie und ein Tag vergeht und eine Woche und ein Jahr und ein Leben und eine Geschichte.

Gedenken wir nun also der 8, achten wir nun also auf die 8 die uns heuer vorgegeben ist weil der Jahreszahl nachgestellt, stellen wir uns also vor wir wären 40 oder 70 oder 90 Jahre vor unserer Zeit, vor der Zeit die wir die unsere nennen, die aber nicht die unsere ist, weil die Zeit nicht in der Zeit, also ewig ist, also unendliche Dauer ist und uns daher nicht ist, uns das Nichts ist, uns unverständlich ist und unbegreifbar, greifen wir darum nach Ziffern und Zahlen und Daten und Jubiläen, klammern wir uns darum an Jahrestage und Gedenkfeiern und Denkmäler, lässt die Zeit sich aber ihr Recht nicht nehmen, nicht über die Menschen und nicht über die Denkmäler und nicht über Jahrestage und Gedenkfeiern und nicht über sich selbst. Weil die Unendlichkeit uns unbegreiflich, weil die Zukunft uns ein Wunsch und die Vergangenheit ein Traum, die Zukunft nicht vorstellbar und die Vergangenheit nicht erinnerbar, nicht verinnerbar, nicht verinnerlicht, gedenken wir, klammern wir uns an Jahreszahlen und Daten und Ziffern und gedenken nun also der 8, kommen wir nun also endlich zum Punkt, zu den Zeitpunkten 1918, 1938 und 1968, Leben gab es da und Menschen und zwei, drei Menschheitsgeschichten, aber Großes geschieht nie, nicht heute und nicht morgen und nicht gestern und Geschichten erzählen sich nicht und Leben leben sich nie und dann ist es vorbei und zwei Jahreszahlen werden in Stein gemeißelt und heute meißelt sich eine 8 in den Stein und also denken wir daran und morgen eine 9 und gestern eine 7 und alles dauert 3 Sekunden, eine für vorher und eine für nachher und eine für mittendrinn.

 

Mittendrinnen im Gedenken wir, im Leben wir, im Endlichen wir, da steht eine 8 und wir stehen im Sein, stehen wie Stein erstarrt, und warten und warten und warten aber es kommt und kommt und kommt nichts, warten auf Neues, auf Großes, auf Leben, aber Neues geschieht nie und nicht Großes und nicht Leben, man wartet und wartet und wartet, aber es kommt und kommt und kommt nichts und dann kommt die Ewigkeit, die Unendlichkeit, eine 8 liegt und bedeutet alles, weil das Nichts, bedeutet Gott und bedeutet Ende und bedeutet Unendlichkeit, aber schlussendlich denken wir lieber nicht daran, denken lieber an die 8, die in Stein gemeißelt, die in Bücher geschrieben, die in Gedächtnisse gebrannt, gedenken wir der 8, achtlos aber gehen wir an der 7 und an der 9 vorüber, deren Zeit wird noch kommen, ward schon gewesen, wird wiederkommen, wird sich wiederholen, 2, 3 Menschheitsgeschichten gibt es und 7 Milliarden Menschenleben und eine Sekunde für das Jetzt. Stehen wir wie erstarrt im Jetzt, aber Zeit steht nie, nicht gestern und nicht heute und nicht morgen, Zeit steht nie und vergeht auch nie, wir aber vergehen in der Zeit und stehen wie erstarrt im Jetzt und warten und warten und warten und gedenken und gedenken und gedenken, aber die Zukunft ist nichts als die Hoffnungen der Gegenwart und die Vergangenheit nichts als die Erinnerung der Gegenwart und die Gegenwart nichts als die Reflexion von bereits Geschehenem, nichts als die Wiederholung von 2, 3 Menschheitsgeschichten. Schichten wir Jahreszahlen und Daten und Jubiläen zu Sinneinheiten, klammern wir uns an Jahreszahlen und Daten und Jubiläen, weil das Unendliche uns unvorstellbar, klammern uns an Ziffern und Zahlen und Nummern weil das Numen uns unbegreiflich, greifen wir nach Stunden und Tagen und Jahren weil wir von der Ewigkeit nichts wissen, weil die Ewigkeit nichts von uns weiß, nichts von Jahren und Tagen und Stunden weiß und von Leben nichts und nichts von Menschheitsgeschichten.

 

Und alles Leben besteht aus zwei Teilen, die Vergangenheit ein Traum und die Zukunft ein Wunsch und wir zwischen zwei Ewigkeiten im vergänglichen Jetzt, unfähig das Nichts zu sehen, unfähig die Unendlichkeit zu erkennen und so greifen wir nach Stunden, Tagen und Jahren und hinter uns die Ewigkeit und die dauert eine Sekunde und vor uns die Ewigkeit und die dauert eine Sekunde und mittendrinn die Gegenwart und die ist das Leben, aber Leben leben sich nicht, leben sich nie und nie Erinnerungen, mittendrinnen im Gedenken wir, im Endlichen wir, da steht eine 8 und wir stehen im Sein, stehen wie Stein, erstarrt und warten und warten und warten aber es kommt und kommt und kommt nichts, warten auf Neues, auf Großes, auf Leben, aber Neues geschieht nie und nicht Großes und nicht Leben, man wartet und wartet und wartet, aber es kommt und kommt und kommt nichts und dann geht man ein, geht man ein in die unendliche Dauer und zurück bleiben die, die nicht verstehen und eine Jahreszahl wird in Stein gemeißelt und eine andere in die Geschichtsbücher geschrieben und eine dritte in den Sand und man denkt daran und dann weniger und dann gar nicht und dann steht eine 8 am Ende und man denkt erneut und dann liegt eine 8 und die denkt man nicht und die nimmt einen vorweg, ich meine, nimmt einen sich weg, deckt uns zu und denkt sich uns vor und wir ihr hinterher aber denken können wir sie nie und vorstellen können wir sie uns nicht und darum denken wir heute an die 8 und morgen an die 9 und gestern an die 7 und übermorgen schon nicht mehr.

 

(für Hanni Schnabl)

September 2008