"Nun, da ich sprechen kann, was soll ich sagen?"

Ich  wollte,  sage  ich,  noch  einen  Text  zum  Thema  Lebenszeichen  schreiben und sehe Dich an und Du nickst / stumm / wollte dazu über  Herzogs  Film  „Lebenszeichen“  schreiben,  schwarz­weißes Flimmern,  eine  Straße  aus  /  Staub  /  wirbelt  auf  und  dann  /  eine  zärtliche Geste, Wasser auf Lippen und Wasser auf Hals des/der Verwundet­Gestrandeten und Schnitt...

Die Insel Kos, es gab nur Frieden dort, der Erzähler, und doch eine Festung, eine Mauer, darin Gliedmaßen / steinern und doch / die Symbolik  /  Zykaden,  die  schreien  und  Musik  und  Musik,  die Männer ertrunken, sie waren, sagt Stroszek, vom Anblick der Sonne beeindruckt, so dass sie die Gefahr nicht bemerkten.

Ich  wollte,  sage  ich,  zu  diesem  Film  etwas  schreiben,  der  die  Welt  uns  entfremdet,  bis  sie  kenntlich  uns  wird,  doch  wie  kann ich, fahr‘ ich fort, nachdem Du nichts sagst (wie soll ein erfundenes Ich auch was sagen), am Strande von Kos liegt wie schlafend ein Kind.

                                                                                                       August / September 2015

 

In: Kepplinger, Christoph (Hg.): Lebenszeichen. Linkes Wort am Volksstimmefest 2015. Wien: Globus Verlag 2016, S. 27.